StalsatCoverKaj Nykjær Jensen
Ring Andersens Værft
Fire Generationer på Frederiksøen, Svendborg 2017
ISBN 978-87-9997-16-0-2, Preis DEK 250
Bezug: Museumsladen des Svendborg Museums oder Webshop auf www.svendborgmuseum.dk

Die Firma Ring Andersen ist das einzig verbliebene der etwa 15 Unternehmen, die in und um Svendborg seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts Holzschiffbau betrieben. Ein gut Teil dieser Tradition ist der kontinuierlichen dynastischen Abfolge von Schiffbaumeistern zu verdanken, welche die Familie Ring Andersen hervorbrachte.

Der Werftgründer hatte 1867 auf der Insel Frederiksø den städtischen Schiffbauplatz übernommen und bis zu seinem Tod im Jahr 1901 zahlreiche Neubauten auf Stapel gelegt, darunter auch relativ große Einheiten, wie Barkentinen von über 200 BRT. Nicht wenige seiner Konstruktionen zeichneten sich durch eine außergewöhnliche Eleganz und Ästhetik aus. Johannes Ring Andersen, der 1901 mit 21 Jahren die Werft übernehmen mußte und das Heft erst mit seinem Ableben 1964 aus der Hand gab, war es bestimmt, den allmählichen Niedergang des Holzschiffbaus mitzuerleben.

Waren zunächst und bis einige Jahre nach dem Ersten Weltkrieg noch große Bramsegelschoner und sogar Viermastschoner gefragt, so bezogen sich die Neubestellungen in den dreißiger Jahren vorwiegend auf kleinere Galeasen und Kvasen. Der zweite Weltkrieg brachte noch einmal einen Schub im Auftragsvolumen mit sich, was sich allerdings nicht in der Anzahl der Neubauten, sondern vorwiegend in der Größe der Schiffe niederschlug. So wurden zwischen 1939 und 1949 insgesamt zehn Schiffe um oder über 100 BRT vom Stapel gelassen, die teilweise nun auch wieder als Dreimastschoner getakelt wurden. Mit REGNBUEN, einer Galeas von 149 BRT, endete dann 1953 der Bau von Frachtschiffen auf dem Holmen. Dem dritten Werftchef Jørgen Ring Andersen blieb noch der Bau von fünf großen Fischkuttern, der letzte davon ging 1975 zu Wasser. Danach wäre das Schicksal der Werft wohl besiegelt gewesen, hätte das aufkeimende Interesse an der Erhaltung von Traditionsschiffen nicht ein neues und teilweise durchaus lukratives Arbeitsfeld eröffnet. Die Zeiten der großen Aufträge, wie die praktisch einem Neubau gleichkommende Hauptreparatur von RING ANDERSEN 1980-83 sind vorbei. Aber die Holzschiffeigner finden sich nach wie vor auf dem Holmen ein, da anderwärts entweder die Slipkapazitäten zu klein sind oder Fachkenntnisse im Holzschiffbau fehlen.

Der zweite Werftbaas auf dem Holmen hatte 1946 eine Werftchronik herausgegeben, die heute eine antiquarische Rarität darstellt. 2011 edierten Herbert Karting und Thorsten Tietjen einen Band zur Werftgeschichte, der sich breit angelegt und tiefschürfend mit den 195 Neubauten der Werft und deren Lebensläufen befaßt.

Anläßlich des 150. Betriebsjubiläums im März 2017 hat nun der gebürtige Svendborger Kaj Nykjær Jensen die Historie des Unternehmens vom Gründungsjahr an beschrieben. Der Autor, der zum Thema Svendborger Schiffbau bereits mehrere Publikationen vorlegte, hat zu Ring Andersen eine besondere Beziehung. Zwei seiner Vorfahren waren in den vierziger und fünfziger Jahren dort als Schiffszimmerer beschäftigt. Er selbst erlebte, wie er im Vorwort schreibt, 1951 den Stapellauf der LILLA DAN als Dreijähriger zusammen mit dem gleichaltrigen Peter Ring Andersen, dem heutigen Werftchef.

Der Darstellung umgreift, wie gesagt, die gesamten 150 Jahre der Werftgeschichte, fokussiert aber vor allem auch auf die bisher noch nicht detailliert beschriebene Firmenhistorie von 1946 bis heute. Sämtliche Neubauten sind in Schiffslisten, geordnet nach Generationen, aufgeführt. Der Band ist durchgehend illustriert, neben Gemäldereproduktionen, Karten und Plänen finden sich sehr viele historische Fotografien, darunter vom Autor aufgespürte, bisher nicht veröffentlichte Raritäten. Die Publikation ist weit über ihre Rolle als Jubiläumsschrift hinaus ein wichtiger historischer Beitrag zu einem Kapitel des nordeuropäischen Holzschiffbaus und eine Dokumentation über dessen Entwicklung über eineinhalb Jahrhunderte hinweg und letztlich über dessen Niedergang.

Wolfgang Bühling